Lost Places Pt. 3 {Schloss Prötzel}

Heute geht es hier weniger morbide und düster zu. Passend zum Frühlingswetter stelle ich euch heute das Schloss Prötzel mit seinem großen Park vor. Das Schloss ist ein zweigeschossiger Barockbau im Landkreis Märkisch-Oderland, östlich von Berlin. Wir entdeckten das Schloss spontan, als wir auf der Suche nach tollen Fotomotiven waren und bei angenehmen Temperaturen der Stadt den Rücken kehren wollten, um einen gemütlichen Nachmittag unter freiem Himmel zu verleben.
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Mein Mann und ich waren noch nicht lang zusammen, im Sommer 2008. Es war einer unser ersten  Ausflüge ins Berliner Umland und so entdeckten wir gemeinsam unsere Liebe für alte Häuser. So richtig geheuer war es uns nicht, auf fremdem Eigentum herumzuwandern, aber die Entdeckerlust war größer als die Furcht und so spähten wir verstohlen durch die Fenster, zuerst auf der Rückseite, wo wir gänzlich allein waren, dann auch auf der Vorderseite, wo immerhin die Straße in Sichtweite war.
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Das Schloss wurde Anfang des 18. Jahrhunderts erbaut, im Jahr 1770 wurde der Park im englischen Stil fertiggestellt. 1800 ging das Schloß in den Besitz der Freiherren von Eckhardstein über, der als niedersächsischer Großhandelskaufmann und Unternehmer nach Berlin übersiedelte und nordöstlich von Berlin viel Geld verschiedenste Güter investierte. So kaufte er auch das Schloß Prötzel und insgesamt mehrere Tausend Hektar Land.
Zur Zeit des 2. Weltkriegs lebte der Nuntius Cesare Orsenigo in dem Schloß. Er besuchte Adolf Hitler im Jahr 1939 auf dem Obersalzberg, um diesem den Vorschlag des Papstes vorzutragen, eine Konferenz aller beteiligten Statten einzuberufen, um einen drohenden Krieg abzuwenden. Als auch ein weiterer Besuch 1943 zu keinem positiven Ergebnis führte und der Krieg zunehmend fortschritt, legte Orsenigo sein Amt als Apostolischer Nuntius nieder und floh vor den Sowjets. Da die Freiherren von Eckhardstein zum Kriegsende vertrieben wurde, verfiel das Schloß ab diesem Zeitpunkt. Der örtliche Kunstverein nutzte seit Anfang der 90er Jahre das Gebäude für Ausstellungen.
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Das kleine Mädchen in mir stellte sich, während wir den langen Park durchquerten, vor, wie es wohl gewesen sein muss, früher, mit langem Haar, pompösen Kleidern und viel zu engen Schuhen, mit kleinem Sonnenschirmchen und leichter Lektüre in der Hand in Richtung Wasser zu spazieren, um sich auf einer Decke im Schatten niederzusetzen.
Sobald ich mich allerdings umdrehte, um das Schloß zu bewundern, zerstörten die Einschußlöcher an der gesamten Fassade dieses romantische Bild schneller, als ich dabei stolpern konnte. Ob jemand noch zuhaus war, als das Schloß beschossen wurde? Dieses Schloß hat zum ersten Mal in uns dieses “Ich will mehr Geschichte zum Anfassen”-Gefühl geweckt und so folgten nach diesem Ausflug viele weitere.
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Quelle: wikipedia

Teil 1: Bahnbetriebswerk Pankow | Teil 2: Beelitz-Heilstätten

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Toll, wie du es hier schaffst, deine Eindrücke, Gedanken und ein bisschen Geschichte miteinander zu verbinden und zu einem richtig guten Post zu verarbeiten! Kompliment!
    Mir gefällt übrigens am besten das Bild am Wasser und die Vorstellung des kleinen Mädchens in den zu engen Schuhen…
    LG
    Christiane

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  2. Trotz der zerstörten Fassade schwebt noch etwas liebliches, verspieltes über dem Schloss. Ich kann mir gut vorstellen, wie verzaubert Du Dich im Park gefühlt hast. Schade, dass so etwas schönes zerstört wurde und schade, dass es keinen neuen Besitzer gefunden hat, der es wieder erstrahlen lässt. Ist aber wahrscheinlich unerschwinglich so ein ländliches Kleinod zu erhalten.
    Wunderschöne Bilder zeigst Du uns und Deine Beschreibung ist so anschaulich, dass ich mir fast vorstellen kann, wie aufgeregt Du bei der Entdeckung warst.
    Lieben Gruss von Sabine

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