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Das große Licht

Nic sucht heute Bilder zum Thema “Das große Licht”. Das passt perfekt, weil ich neulich über 300 Fotos an einem wunderschönen Sommermorgen in Oldenburg aufgenommen habe. Die schlummern noch auf der Festplatte, warten aber darauf, präsentiert zu werden. Weil das Licht einfach so wunderschön war und die Sonne so herrlich gerade aufgegangen war, durfte der Kran am Hafen der Hunte ein wenig posieren. Wie perfekt das doch heute zum Thema passt, oder?
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Das heißt aber auch, dass ich bald nun auch meine Oldenburg-Tour hier präsentieren werde. Da hab ich mir was vorgenommen….

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Mein Berlin

Ich hatte in einem Beitrag vor einiger Zeit ja schon erzählt, dass ich eine ganz besondere Beziehung zu Berlin habe. Ich habe mein Herz an diese Stadt verloren, damals 2007. Auch wenn ich nur 4 Jahre dort gewohnt habe, diese Jahre haben mein Leben auf den Kopf gestellt. Alles einmal umgekrempelt, alles auf Anfang mit einer Prise Herzschmerz, einer großen Portion Erwachsenwerden und viel Liebe. Ich glaube, es ist nicht verwunderlich, dass diese Zeit, die mich so sehr verändert hat, in meinem Kopf beinahe täglich in irgendeiner Form präsent ist. Heimlich bezeichne ich Berlin als meine Heimat. Berlin ist der Begriff, der mein Herz höher schlagen lässt, der mich aufhorchen lässt und der spontan Sehnsucht in mir aufkommen lässt. Das kann der Gedanke an Tapas sein, an viel zu viel Leergut von viel zu viel getrunkenen Sternis, ein ganz spezielles Lied und der eigentümliche Geruch einer stark befahrenen Straße.
Heute möchte ich euch ein paar Fotos zeigen, die in dieser Zeit entstanden. Sie sagen eigentlich gar nicht so viel über Berlin als großes Ganzes aus, zeigen aber, wie ich mein Berlin gesehen habe. Außerdem habe ich den ein oder anderen Tipp für euch.
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 ”Du bist verrückt mein Kind, du musst nach Berlin” 
Franz von Suppé (1819-95)

Eigentlich gibt es rückblickend gar nicht wirklich einen Grund, warum es mich nach Berlin gezogen hatte. Ich hatte nach dem Studium ein Praktikum (Generation Praktikum!) in Aussicht, bekam über einen Bekannten eine tolle Wohnung vermittelt und ja, es reizte mich einfach. Im letzten Semester waren alle im Aufbruch. Jeden zog es woanders hin, kaum einer blieb damals in Oldenburg. Mit unterzeichnetem Vertrag packte ich somit im August 2007 meine Sachen, um sie einen Tag später 450 km weiter östlich wieder auszupacken.
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Der erste Sommer in Berlin – ich werde dieses Gefühl nie mehr erleben, unbeschwert und voller Erwartungen durch Berlin zu flanieren, U-Bahn zu fahren, beim Späti vorbei. Als ich nach Berlin zog, war die Neugierde genauso groß wie die Naivität. Ich sog die Luft und das Berlingefühl mit all dem Smog ein, tauchte ein in das schillernde, eigentümliche Meer aus Hornbrillen, alten Kinderwagen und all den Möchtegern-Alternativen in den Bio-Läden in Prenzlauer Berg, die vor lauter Egoismus gar nicht merken, wie gleich sie alle sind.

{Prenzlauer Berg}
Ich genoss das Leben, ging gern in das Cafe “An einem Sonntag im August“, war bei schönem Wetter im Prater, im ältesten Biergarten Berlins und flanierte Sonntags über den Flohmarkt am Mauerpark. Die Kastanienallee heißt nicht umsonst oftmals “Castingallee” – hier tummelt sich alles und jeder, der meint, er wäre etwas Besonderes und müsse unbedingt auffallen! Meinen Mann habe ich übrigens im Mauerblümchen in der Wisbyer Straße kennengelernt, einer richtigen Ostalgie-Kneipe mit orignal DDR-Eierbecher zum Frühstücksbuffet und alten Urkunden und Zeitungen im Toilettenraum. Das Essen ist sicher nicht hitverdächtig, aber vorbeigeschaut haben sollte man auf jeden Fall!

Dass unsere gemeinsame Geschichte ausgerechnet in dieser Kneipe begann, war etwas ganz Besonderes. Es gibt nicht allzu viele deutsch-deutsche Beziehungen und auch wenn es mir angesichts der vielen Jahre, die seit der Wiedervereinigung vergangen sind, manchmal etwas fremd ist, davon zu sprechen, so merkt man es oftmals trotzdem, dass wir unterschiedlich aufgewachsen sind. Umso schöner ist es, dass ich zuerst den Osten erlebt habe und wir nun gemeinsam den Westen erleben. Unsere Tochter ist übrigens in Berlin-Pankow geboren und somit ein echtes ostdeutsches Gör ;-)




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Was wir übrigens am meisten hier im Westen vermissen ist das allwöchentliche Döner-Essen. Für einen wirklich leckeren, preisgünstigen Döner solltet ihr in der Gegend die Schönhauser Allee besuchen, um direkt gegenüber der Arcaden bei Kaplan einen Döner mit “Salat alles” zu essen! (In Kreuzberg gibt es sicher bessere Döner, aber da kenne ich mich schlichtweg nicht wirklich aus) Wer Sushi mag, der sollte zu unschlagbaren Preisen im Tabeyo am Anfang der Danziger Straße essen. Und wer schonmal da ist, der sollte natürlich auch unbedingt in der Kulturbrauerei vorbeischauen. Mein Mann wohnte damals genau gegenüber, das war so manches Mal wirklich praktisch!
Wunderschöne Sonnenuntergänge und den Blick auf die Bösebrücke an der Bornholmer Straße, an dem der erste Übergang der Mauer geöffnet wurde, hat man von der Brücke an der Behmstraße aus.

Nachdem mein Mann und ich etwa ein halbes Jahr in einer Einraumwohnung nahe der Bösebrücke wohnten und genug von diesem täglich immer hipper werdenden Prenzlauer Berg hatten, zogen wir nach Friedrichshain. Wir zogen in die Rigaer Straße und wohnten direkt neben einem besetzen Haus. Wir sahen Autos brennen, das SEK an unserer Tür vorbeitrampeln und ärgerten uns über dauerbetrunkene Nachbarn. Aber ich habe dieses Gefühl von irgendwie geordnetem Chaos geliebt. Es passte zu uns, wir fühlten uns anfangs dort sehr, sehr wohl. Es war nicht überladen, nicht hipp und nicht edel, es war links, schrill und bunt. Es war friedlich und doch hochexplosiv. Man wusste nie, wie es gerade auf der Straße aussehen würde, wenn man die Tür aufmacht. In dem Kiez leb(t)en verhältnismäßig viele alte Leute, es waren wirklich ursprüngliche, echte Berliner, sodass die Sprache, der Umgang miteinander zwar typisch rau, aber immer ehrlich und freundlich war.

{Friedrichshain}
Selbstverständlich gehört ein Besuch der Simon-Dach-Straße mit seinen zahlreichen Restaurants und Bars zu den klassischen Ausflugszielen, die auch so manche Wahl-Berliner gern besuchen. Besonders empfehlenswert finde ich das Cafe Hundertwasser. Immer genial essen könnt ihr im “Wahrhaft nahrhaft” an der Revaler Straße, von wo aus sich ein kleiner Abstecher zur Warschauer Straße auch lohnt. Wer lieber noch weiter nach Osten flaniert, dem sei die Boxhagener Straße ans Herz gelegt. Der Flohmarkt am Boxi ist immer gut besucht, war uns aber einfach eine Nummer zu hipp und alternativ. Morgens ist das Morgenbrot übrigens die beste Anlaufstelle für leckere Brötchen.

Wer dann die Frankfurter Allee betritt, der sieht das, was ich persönlich als mein Zuhause, meine Heimat bezeichne. Home is where your heart ist. Mein Herz liegt am Frankfurter Tor begraben. Ich liebe diese Straße, diese alten Stalinbauten gen Mitte mit dem genialen Cafe Sibylle (ein Konzept, das Gastronomie mit Ausstellung und Musuem verbindet) und daneben der wilde Trubel stadtauswärts, der spätestens am Ministerium für Staatssicherheit endet. Das Stasimuseum ist meiner Meinung nach ein Pflichtbesuch, wenn man sich mit der Geschichte auseinandersetzten möchte.
Frankfurter Tor
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Wenn man in Berlin lebt, entdeckt man immer neue, spannende, abstoßende, nervige und wunderschöne Ecken, Begebenheiten und Momente, die die Erinnerungen an Berlin für mich unvergesslich und einzigartig machen. Berlin ist wie eine gespaltene Persönlichkeit – an einer Ecke erlebt man Wunderschönes, Einzigartiges und zwei Häuserblocks weiter sieht man das Elend und die dunklen Seiten einer Stadt, die ihre Identität wohl wöchentlich neu suchen muss.
Diese Stadt passte in dieser, meiner Zeit einfach so sehr in meine eigene Identitätssuche und hat meine Identitätsfindung schlußendlich auch mitbestimmt. Jeden Tag kann man sich in Berlin neu erfinden, neu entdecken und neu inszenieren. Es fällt niemandem auf, wie ich heute aussehe, weil auch keiner sah, wie ich gestern aussah. Das genoss ich, machte mich zugleich aber auch traurig und einsam. So unpersönlich, so unnahbar und doch so verletzlich.
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Mit jedem Monat, den ich länger in Berlin lebte, wuchs mein Unmut über die Stadt. Es ist wie eine Hassliebe zwischen mir und Berlin. Eigentlich hätte ich dort nicht sein müssen, dennoch lebte ich mitten drin. Eigentlich ist die Stadt häßlich und laut und trotzdem ist sie etwas ganz Besonderes. Ich vermisse den Geruch der U-Bahn, den Wind, der einem um die Nase weht, wenn die S-Bahn einfährt. Das Geräusch der Tram, wenn sie um eine Kurve fährt. Das permanente Säuseln der Hauptverkehrsstraßen. Das Klappern des Geschirrs über den Innenhof. Und doch weiß ich, dass ich im Laufe der Zeit genervt war, von dem Gestank der öffentlichen Verkehrsmittel, dem Lärm der viel zu vielen Autos, den viel zu vielen nervigen Nachbarn. Von den Touristen, die gar nicht wissen, wie es sich dort wirklich lebt, wo keiner seine Nachbarn kennt, wo sich niemand für seinen Müll interessiert und wo man 3 Straßen entfernt parken muss, weil einfach kein Parkplatz zu finden ist. Dort, wo Kinder auf überfüllten Spielplätzen stehen und die Punks nach Zigaretten schnorren…
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Seit wir 2011 Hals über Kopf dann tatsächlich die Stadt verließen, um in Westdeutschland einen Neuanfang zu wagen, habe ich mich nicht wieder in diese Stadt getraut. Bei jedem Bild vom Fernsehturm, vom Alexanderplatz, vom Brandenburger Tor, ja und natürlich vom Frankfurter Tor wird mein Herz so entsetzlich schwer. Ich vermisse das Quietschen der Tram, wenn sie um die Kurve fährt. Das Tuten der S-Bahn, wenn die Türen schließen. Die Ampelmännchen und einfach das Gefühl, Teil der Hauptstadt zu sein.
Aber ich weiß auch ganz genau, dass ich im Grunde die Zeit an sich vermisse. Es war eine Zeit, in der ich nur Verantwortung für mich selber hatte, ich mich treiben lassen konnte und das Leben nicht vorgeschrieben war. Mit den Augen einer Mutter, erwachsen geworden und mit mittlerweile ganz anderen Ansprüchen wäre das Berlin, das ich kennengelernt habe, nicht das, was ich mir für mich und meine Tochter heute wünschen würde. Darum sind die Gedanken an Berlin wie die Gedanken an eine verflossene Liebe. Man denkt gern zurück, aber man weiß auch, dass es nie wieder gut werden wird. Das rede ich mir jedenfalls immer ein. Und dann gehts auch mit dem Heimweh. Erinnerungen an eine Zeit, die es nie wieder geben wird.
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berlin

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