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Fundstück

Auf unseren Touren im Berliner Umland entdeckten wir häufig skurrile Dinge. Viele waren ein Foto wert, bei einigen reichte es nur für ein Kopfschütteln oder aber verschmitztes Grinsen. Ein ganz besonderes Fundstück möchte ich euch heute zeigen: Ein pinker Lampenschirm, der einfach mutterseelenallein und ohne Lampe im Wald herumlag.



Da hat mal ein echter Scherzkeks Geschmack bewiesen, oder?

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Lost Places Pt.2 {Beelitz-Heilstätten}

Ein ganz großes Highlight auf unseren Touren ins Berliner Umland waren definitiv die Heilstätten in Beelitz. Wir waren gerade ganz frische Geocacher und somit noch unerfahren aber vorsichtig genug, die schweren Caches links liegen zu lassen und uns hauptsächlich dem Fotografieren zu widmen. Leider haben wir es danach nie wieder dorthin geschafft, nicht zuletzt, weil es kurz nach unserem Besuch immer schwerer wurde, das Gelände zu betreten.

Beim Aussortieren der Fotos habe ich bemerkt, dass ich viele Türen und Fenster fotografiert habe. Vermutlich, um unbewusst dieses Gefühl einzufangen, etwas Verbotenes zu tun, in Räume einzudringen, in denen ich eigentlich nichts zu suchen habe. Zu sehen, was anderen verborgen bleibt -  einzutauchen in das Leben und Leiden und Genesen der Patienten der Beelitz-Heilstätten in Potsdam-Mittelsmark.
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Nichts versprüht mehr den Charme des Morbiden und Vergänglichen als ein altes Krankenhaus. Nirgendwo sonst herrscht dieses beinahe atemberaubende Gefühl, ganz nah am Geschehenen zu sein, wenn man, angetrieben durch Adrenalin und Entdeckerlust durch leere Gänge irrt auf der Suche nach altem Operations-Besteck und dem perfekten Foto. Wenn man mit dem Wissen, dass dort, wo andere an der Schwelle von Leben und Tod verweilten, Räume voller Ehrfurcht und Gedankenschwere betritt, dann ist dieses Gefühl einfach einmalig. Es mag ein wenig unmoralisch klingen, aber ich kann euch versichern, dass wir nicht aus purer Sensationslust wie die Wilden fotografierten, sondern dass wir versuchten, einen Teil der Geschichte zu erleben, zu empfinden und auch lernen. Denn viele Jahre Geschichtsunterricht in der Schule konnten nicht das lehren, was wir uns selber aneigneten in der Vor- und Nachbareitung unserer Ausflüge. Und besonders die Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete Arbeiter-Lungenheilanstalt mit den 60 Gebäuden auf über 200 ha Gesamtfläche ist ein besonderer Punkt in der Geschichte des Berliner Umlandes, nicht zuletzt zu Kriegszeiten.

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Aufgrund der Überbevölkerung der Städte, vor allem auch in Berlin, gepaart mit katastrophalen Hygienezuständen und der mangelnden ärztlichen Versorgung erkrankten immer mehr Menschen an Tuberkulose. Vor allem die Tagelöhner waren aufgrund der schweren körperlichen Arbeit und der vorherrschenden Mangelernährung besonders gefährdet. Erfahrungen hatten aber gezeigt, dass eine Stärkung des gesamten Organismus die Krankheit noch am ehesten aufhalten konnte und so wurde mithilfe eines Finanzfonds der Bau der Heilstätten veranlasst, um den Krankheitsverlauf mit einer “hygienisch-diätischen” Allgemeinbehandlung und viel frischer Luft du mildern.
Neben den Lungenheilstätten gab es Sanatorien für Patienten mit nicht ansteckenden Krankheiten, nach Geschlechtern aufgeteilt. Die im Grunde komplett autark funktionierenden Heilstätten hatten alle Betriebsstätten wie Küche, Wäscherei, Werkstätten, Heizhaus, Gärtnerei, Postamt, Bäckerei und Fleischerei, Frisörsalon und Angestelltenwohnhäuser über das Areal verteilt. Neben dem Heiz- und Maschinenhaus gab es einen 44 m hohen Wasserturm. Über ein Kanalnetz von mehr als 10 km Länge versorgte es die Heilstätten mit Wärme, Elektroenergie und Warmwasser. Alle Krankenpavillons, in denen die Patientenzimmer und Liegehallen waren, waren nach Süden ausgerichtet, sodass eine intensive Sonneneinstrahlung die Genesung vorantreiben konnte. Zusätzlich gab es Wandelhallten und angelegte Spazierwege, um die sogenannten Luftbäder angenehm zu gestalten.
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Dies ist der Gang zu den Operationssälen zu sehen. Davon gab es einige, aber nur noch einer enthielt zu unserem Besuch noch Liege und Lampe, kurze Zeit später erfuhren wir, dass auch diese Lampe dank eines Vandalismusanfalls den Weg durchs Fenster gefunden hatte.

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Während der beiden Weltkriege dienten die Heilstätten und Sanatorien als Lazerett für die verwundeten Soldaten. Im zweiten Weltkrieg wurden die Beelitz-Heilstätten stark beschädigt und die 1945 noch intakten Gebäude dann von der Roten Armee übernommen. Bis 1994 wurden sie als Militärhospital genutzt.
Auch Erich Honeker fand Unterkunft in Beelitz. Im Kommandantenhaus wartete er 1990 auf seine Flucht über Moskau nach Chile. Heute ist dieses Haus eines der wenigen Wohnhäuser auf dem Areal.
Mit Abzug der sowjetischen Truppen wurden die Heilstätten an die Landesversicherungsanstalt Berlin zurückübertragen. 1995 wurde das gesamte Areal unter Denkmalschutz gestellt. Seither fehlt es an Geld, um das Areal zu erhalten oder gar zu sanieren. Und so dient das Gelände gerade noch so als Filmkulisse – Roman Polanskis “Der Pianist” oder auch “Operation Walküre” wurden (teilweise) in den Beelitz-Heilstätten gedreht.

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Noch nie waren wir nachhaltig so ergriffen von einem Ort, deswegen ist dieser Beitrag doch recht lang geworden. Ich hoffe, ihr habt ihn so gern gelesen wie ich ihn geschrieben habe.
Dieser Beitrag ist Teil einer kleinen Lost Place Serie. Teil 1: Bahnbetriebswerk Pankow